Für alle Einzelkämpfer in Beratung und Coaching: Ist man allein auch ein Wir?

Mir begegnet es immer wieder – wohlgemerkt, mir, nicht uns. Denn ich bin allein, eine Person, nicht ein Team, eine Gruppe, eine Ansammlung und damit logischerweise kein „uns“. Aber ich sehe es doch immer wieder – die Ansprache auf der Website (meist dann auch im Print) mit dem „Wir beraten Sie“, „Wir sind Ihr Partner für…“ und das stark verbreitete „Über uns“ als Navigationspunkt auf der Website. Wenn man sich dann die Seiten genauer ansieht, findet man immer nur eine Person bzw. definitiv keine Info über weitere Personen dieses Unternehmens. In vielen Fällen kenne ich die Kollegen aus der Beraterzunft und weiß, dass sie allein arbeiten. Aber auf der Website wird immer so getan, als ob eine Horde an Menschen für diese Firma arbeitet.

Warum (in drei Teufels Namen) spricht man von sich in der Mehrzahl?

Klar, weil man nach außen was hermachen will, Größe demonstrieren und Kompetenz darstellen muss/möchte. Einer ist doch viel zu wenig, was kann der denn schon?

Die großen Unternehmen engagieren  nur große Dienstleister. Der einzelne Berater, Coach, Trainer denkt sich, da muss ich mithalten – und kann ich auch. Ich kenne ja viele Leute, die mich unterstützen (Postbote, Sohn/Tochter, Ehepartner, Gemüsehändler, Kneipenbesitzer, Schwager, Nachbar und viele mehr). Das zählt doch als Team, oder? Na ja, und wenn es drauf ankommt, dann frag ich einen davon, ob er mit zum Kunden kommt – als Statist.

Ich bin auch allein, das ist mein Geschäftsprinzip. Früher sprach ich auch in Wir-Form, seit einigen Jahren nicht mehr. Denn meine Expertise ist in meinem Kopf und genau dieses Wissen und diese Erfahrungen will der Kunde. Jeder muss diese Frage natürlich selbst beantworten und entscheiden, ob er von sich in der Mehrzahl spricht, Größe allein von der Zahl der Mitarbeiter abhängig macht und sich im Zweifel der Lächerlichkeit preisgibt, wenn dem Gegenüber klar wird, dass Sie allein zur Tür reinkommen.

One-Woman/One-Man-Showfoto: jpm.de

Für mich habe ich entschieden, zu meiner One-Woman-Show zu stehen. Denn daraus ergibt sich ein ganz anderes Standing. Ich muss nicht in Wettbewerb zu großen Beratungsfirmen oder Werbeagenturen gehen. Mein Vorteil ist es, dass der Kunde nur einen Ansprechpartner hat, der seine Interessen vertritt. Er muss keinen Overhead mitfinanzieren. Ich kann flexibel meine Partner, mein Netzwerk auswählen und behalte alle Fäden in der Hand.

Daraus ergibt sich für mich: Ich bin eine Person und spreche in der Einzahl. Natürlich ist es manchmal seltsam, immer in der Ich-Form zu schreiben. Aber nur so bekomme ich die Kunden, die zu mir passen. Die Wert auf meine Stärken legen und diese für sich nutzen möchten.

Denken Sie daran, wenn Sie am Text für Website oder Print feilen. Entscheiden Sie sich in jedem Fall aber für eine Variante. Springen Sie nicht vom Wir zum Ich und zurück. Bleiben Sie im Zweifel authentisch und zeigen Sie klar, was der Kunde einkauft, wenn er sich für Sie entscheidet. Dann bekommen Sie die Kunden, die Sie wollen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Martin sagt:

    Ich sehe das ebenso: Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen, als Einzelne/-r da zu stehen. Die Geschichte hat schon genug Leute hervorgebracht, die als Einzelne mehr erreicht haben als große Gruppen oder Teams, sei es für sich selbst oder wider Erwarten der gesammten Gesellschaft für eben diese.

    Zu denken, dass ein Wir überzeugender ist als ein Ich kann spätestens beim ersten Kennenlernen übel enden und könnte schwerwigende Folgen mit sich ziehen – Stichwort Mundpropaganda. Solch ein irreführender Eindruck kann (unter entsprechenden Umständen) schwerwiegende Folgen in Sachen Image mit sich ziehen. Die Seriösität leidet bestimmt als Erstes.

    Darüberhinaus verliert man eher Kunden, als dass man welche gewinnt. Gewinnen wird man Neue eher schwer, denn die „tatsächliche Wir-Konkurrenz“ spielt nicht selten auf einem anderen Niveau und mit anderen Mitteln, zwangsläufig, denn man selber ist kein Team, die aber schon. Verlieren wird man eher welche, da jeder potenzielle Kunde sich z. B. die Website des vermeintlichen Wir-Anbieters anschaut und den Eindruck gewinnt, dass jener Anbieter ein viel zu großer Player ist, in Folge dessen man sich anderweitg umschaut – nicht selten wird sa groß mit teuer verbunden: Je größer, desto teurer. Oder jene Kunden sehen sich selber kleiner (als sie tatsächlich sind) und wollen daher lieber unter sich bleiben, also mit ebenso kleinen Unternehmen arbeiten. Auch wenn es eigenartig klingt, ich kenne solch ein Verhalten.

    In meine Augen machen sich Einzelunternehmen nicht selten kleiner als sie tatsächlich sind. Wenn ich als mitbekomme, wie viel besser die Qualität eines solchen Einzelunternehmers im Vergleich zur großen Konkurrenz ist, sei es im Service, dem Produkt, der Dientleistung oder der Auseinandersetzung mit dem Kunden selbst … Wie es schon im Blogeintrag heißt: Die Leute sollten sich ihrer „eigenen“ Werte bewusst werden und diese mit Stärke vertreten und entsprechend kommunizieren.

    Gruß
    Martin

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